In memorian
April 27, 2013 in Das geschriebene Wort, Home
Hallo liebe Leser, heute möchte ich mich mal mit einem, einerseits sehr persönlichem, aber auch allgegenwärtigen Thema an euch wenden.
Es geht um die unterschätzte Bedeutung von Fotos. Hierzu möchte ich mit einer persönlichen Sache etwas ausholen. Vor ein paar Jahren ist meine Mutter gestorben. Da ich damals a. kein gutes Verhältnis zu ihr hatte und b. ich da auch noch nicht an der Fotografie Blut geleckt hatte, hatten wir auch kein anständiges gutes Foto von ihr für die Beerdigung. Das führte dazu das man einen Scan von einem älteren Bewerbungsfoto machen musste, das allein schon durch den Qualitätsverlust der Vergrößerung, mehr Mittel zum Zweck war.
Im laufe der Zeit konnte ich von damaligen Bekannten meiner Mutter noch einige digitale Fotos auftreiben die während ihren letzten Monaten gemacht worden sind, aber auch die sind qualitativ mehr schlecht als recht. Klar jetzt werden einige sagen “ja es geht doch mehr um die Sache an sich und nicht wie gut die Qualität ist.” Klar einerseits stimmt das, aber andererseits ist das doch irgendwo schade das eine der letzten festgehaltenen Erinnerungen ein Bild wie dieses ist, das 20 Tage vor ihrem Tod aufgenommen wurde:
photo by:
Harry Jakobi
Seien wir ehrlich, es ist alles nur kein schönes Bild das man sich an die Wand hängen möchte um eine schöne Erinnerung an einen verstorbenen zu haben. Schlaue Leute würden jetzt wieder sagen können: “Es gibt ja auch noch andere, ältere Bilder…” Mag ja sein, aber ich persönlich möchte auch eine Erinnerung haben an eine geliebte Person wie sie bis zu letzt war. Und ich bin da nicht der einzige. Ich erleb es in dem Betrieb in dem ich momentan meine Ausbildung absolviere immer wieder. Kunden kommen mit Schnappschüssen, alten Passbildern oder anderen Fotos und bitten uns das zu vergrößern, ggf zu bearbeiten, einen Ausschnitt aus einem 10×15 Partyschnappschuss zu machen, einen Ausschnitt von einem digitalen Foto das eine Auflösung von 72 dpi hat. Und daraus dann ein 20×30 das man auf den Sarg stellen kann. Nicht selten wird in dem Gespräch unter anderem gesagt das es leider kein schöneres oder besseres Bild von der Person gibt. Warum? Wie kann es sein das es kaum ein gescheites Bild von einem geliebten Menschen gibt das halbwegs aktuell ist? Die Frage konnte ich mir in meinem Falle damals, heute beantworten. Es hat mich nicht Interessiert. Sei es der jugendliche Leichtsinn, das Verhältnis oder einfach nur die Mentalität unserer Gesellschaft hier in Deutschland. Denn ich bin nicht der einzige der sich da keine Gedanken gemacht hat. Fotos scheinen bei uns keinen hohen Stellenwert mehr zu haben. Bei uns in Deutschland geht es immer mehr um Quantität als um Qualität. Wir leben für uns und leben schnell und wundern uns am End das es kein gescheites Bild gibt. Das ist Schade, sehr schade. Seit dem mir das klar geworden ist, ist auf jeder Familienfeier meine kleine kompakte oder meine Spiegelreflex mit dabei, um von jedem Mitglied meiner Familie oder der meiner Freundin, immer ein aktuelles schönes gutes Bild zu haben, das man im Fall sagen kann: Ja, da ist ein schönes Bild das man nehmen kann. Ich zieh auch regelmäßig los und mach ein schönes Portrait meiner Familienmitglieder. Nicht nur für den Fall der Fälle, sondern auch weil ich finde das es immer aktuelle Bilder geben sollte.
Das soll jetzt kein Aufruf sein zum Fotografen zu rennen, sondern einfach nur ein Denkanstoß sein über eine Sache nachzudenken. über die man sich eigentlich keine Gedanken macht. Digitale Kompaktkameras gibt es schon für wenig Geld, kauft euch eine, nehmt sie auf die nächste Familienfeier mit und macht mal ein paar schöne Bilder, oder geht zum Portraitfotografen. Wann wurde eigentlich das letzte Familienportait gemacht wo wirklich alle zu sehen sind ? Auch eine Sache die es nicht mehr so häufig gibt. Nicht nur für uns sollten wir fotografieren, sondern auch für unsere Kinder und weiteren Nachkommen. Denn auch sie würden sicher gerne wissen wo ihrer Wurzeln sind und wie ihre Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern gelebt haben, wer ihre Verwandte sind und waren. Und ich bin mir sicher das sie sich gerne auch das ein oder andere Bild an die Wand hängen würden. Und wenn ihr kein gescheites Bild habt, dann sucht euch einen Bildbearbeiter oder Fotograf eures Vertrauens und fragt ob es möglich ist aus dem Bild noch was raus zu holen.
Eine letzte Sache habe ich noch. Verlasst euch nicht zu sehr auf die Digitalisierung. Spart euch ruhig mal ein Ziggarettenpäckchen oder trinkt ein Bier weniger und lasst dafür ein paar Bilder entwickeln oder beim Fotofachgeschäft ausdrucken. Klebt sie in ein Album oder legt sie einfach nur in die Schublade, aber sorgt dafür das sie immer wieder Problemlos angeschaut werden können und sichert, um Gotteswillen sichert eure Bilder auf CD oder anderen zuverlässigen Datenträgern, denn zu oft bekomme ich es mit das eine Festplatte den Geist aufgibt oder aus irgendwelchen anderen Gründen Daten und Bilder verloren gehen die man nie wieder holen kann. Denkt dran, das digitale Bild ist euer Negativ, und wenn es weg ist, ist es weg :( Und bin mir Sicher das JEDER von uns Erinnerungen in Form von Bildern hat die er ungern verlieren möchte. Ihr würdet euch in den Hintern beißen, glaubt mir.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und hoffe das sich der ein oder andere Mal Gedanken darüber macht , denn ein Foto ist mehr als ein paar Pixel oder eine chemische Zusammensetzung auf einem Blatt Papier.
Zuletzt gibt es noch das letzte Bild von meiner Mutter, retuschiert und überarbeitet:











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