Bedeutungen der Bildsymbole im Barock

Hallou Leute,

ich hab hier mal eine Sache die vielleicht den einen oder anderen von euch interessieren dürfte. Vorallem jene die ihren Schwerpunkt auf Composing und Storytelling gesetzt haben. Viele der gestalterischen Mittel die wir heute benutzen, haben ihren Ursprung in der Kunst, angefangen bei Stilen die in der Antike (Goldener Schnitt, Formen) ihren Ursprung fanden, bis hin zu Dunstperspektive, diverse Kontrastformen, Tiefe (Gotik, Renaissance, Barock) und dem klassischen Portraitaufbau sowie Licht (Barock). Aber da gibt es noch eine sache die sich vorallem in Stillleben der Barockzeit entwickelt hat, aber auch in vielen Portraits dieser Zeit zu finden war.

Gegenstände die eine Symbolik hatten.

Dies waren Anfangs viele religiöse Symbole, aber die damaligen Künstler machten davon auch in anderer weise Gebrauch.
Nach dem finsteren Zeitalter der Gotik, fingen die Menschen an sich von der Kirche zu lösen (Renaissance) bis sie, vorallem der Adel, im Barock ihr Leben in vollen zügen auskosteten. Verschwenderisch, lustvoll, lasthaft. Und wenn das normale Volk was dagegen sagte, gab es paar auf die Ohren. Also musste ein Mittel her sich auszudrücken, ohne eine direkte Offensive gegen den Adel zu beginnen. Neben dem literarischen Weg der Fabel, benutzen die Künstler Symbolik in den Bildern. So konnte man aus dem Bildzusammenhang dann erkennen, was sie aussagen wollten. Es ging nicht immer darum dem Adel einen Seitenhieb zu verpassen oder auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen, sondern ging auch wie schon erwähnt auch um religiöse Themen, mythische, moralische. Manchmal offensichtlich, manchmal widersprüchlich.

Ich habe hier für euch eine kleine Liste der Bedeutungen von Bildsymbolen. Bezogen auf das Bildverständnis des niederländichen Barocks im 17. Jahrhundert. Ist aber in der Regel auch allgemein auf die Symbolik der Bilder im Barock und der Zeiten danach zu anzuwenden. Ihr werdet merken das sich einige dinge bis heute noch durchgesetzt haben. Die Quelle dieser Liste ist mir leider unbekannt, wir haben sie im Berufsbezogenen Unterricht ausgeteilt bekommen.

Denkt dran, die bedeutung ist oftmals auch abhängig von der gesamten Bildaussage!

Vielleicht kann der eine oder andere von euch, der viel Wert auf Bildsprache und Symbolik legt, etwas damit anfangen. Dürfte aber auch allgemein für Kunstinteressierte, interessant sein ;)

A

Apfel / Pfirsich:

  • der Sündenfall
  • der Geschmack im Zusammenhang mit den 5 Sinnen

B

Blumen:

  • die in ihrer Pracht und Schönheit schnell verwelken
  • Vanitas*
  • Offenbarung Gottes
  • Verherrlichung Gottes in all seinen Werken

Brot und Wein:

  • Eucharistie
  • Abendmahlsymbolik
  • Leib und Blut Christi

Bücher:

  • mehrdeutige Anspielung auf nutzlosen Zeitvertreib
  • eitle Wissenschaft
  • führen durch rechten Gebrauch zu Belehrung und Erbauung

D

Dunkler Hintergrund:

  • Todeserwartung
  • Ewigkeit

E

Ei:

  • Auferstehung

Erlegte Tiere, Jagdtrophäen:

  • Recht des feudalen Herrchers (Jagdrecht – Privileg des Adels)

F

Fisch:

  • Fastenspeise
  • Die Speise armer Leute
  • Symbol Christi in Verbindung mit dem Abendmahl
  • Das “Wasser” bei den Vier Elementen

G

Gemalte Bilder:

  • Hinweis auf Rang und Bedeutung des Auftraggebers/Besitzers
  • der “Augensinn” bei den 5 Sinnen

Genußmuttel ( Tabak, Konfekt, Pasteten usw.):

  • Verschwendungssucht
  • Laster und Völlerei

Geld und Geldbeutel:

  • Reichtum
  • käufliche Liebe (Geldbeutel spielt in seiner formalen Gestaltung häufig auf das weibliche Geschlecht an)

H

Halbierte oder geöffnete Nuss:

  • Passionssymbolik
  • die beiden Naturen Christi (die menschliche Hülle musste zerbrechen um die göttliche zu enthüllen)

Halbierte oder angebissene Früchte

  • verweisen auf den Sündenfall
  • verweisen auf den “Geschmack” bei den 5 Sinnen

Hündchen:

  • Zeichen für eheliche Treue
  • Triebhaftigkeit

I

Insekten (Käfer, Würmer, Fliegen usw. Auch Eidechsen):

  • Sinnbilder des Teufels
  • Sinnbilder der Sünde
  • Sinnbilder der Vernichtung
  • Sinnbilder des Bösen
  • aus der Fäulnis geboren

K

Käse:

  • Speise der Unsterblichkeit (Festgewordene Milch – Christus selbst als “Himmliche Milch”)
  • Fastenspeise
  • Alltagsspeise einfacher Leute

Krebs:

  • rückwärts- oder seitwärtsgehend ist er eine Anspielung auf die Verrücktheit der Welt

L

Leere Gläser oder Pokale:

  • das entleerte, ausgelaugte Leben

M

Muscheln:

  • tote Schalen einstiges Leben
  • Sammelobjekte menschlicher Eitelkeit

Musikinstrumente, Noten:

  • die Flüchtigkeit des Schalls (vergeht wie Schall und Rauch
  • Harmoniesymbol
  • Anspielung auf die Bildung des Auftragsgebers/Besitzers
  • das “Gehör” bei den 5 Sinnen

N

Nautiluspokal:

  • Hinweis auf die Seefahrt
  • Die Weisheit als lenkerin der Seefahrt
  • Prunkobjekt
  • Attribut für Besitz und persönlichen Bedeutung

P

Pfeifen:

  • die nichts als Rauch erzeugen

R

Reichtümer woe Gold- und Silbergeschirr, Ketten,Perlen usw.:

  • eitler Tand
  • überflüssiger Luxus
  • Anspielung auf die Eitelkeit im doppelten Sinn

S

Sanduhr, Stundenglas:

  • die Flüchtigkeit des Zeitlichen
  • Attribut des Knochenmannes

Schinken (Braten, Keulen):

  • stehen für reichliches Essen
  • Völlerei

Schmetterling:

  • Zeichen für die “Seele” und die “Auferstehung”
  • Vanitas*

Seifenblasen (in denen sich häufig irdene Güter spiegeln):

  • Anspielung auf die Momenthaftigkeit des Seins
  • das ganze Leben ist nur Spiegel und Schaum und platzt alsbald

Spiegel, Spiegelungen:

  • Die Scheinhaftigkeit des Daseins
  • Eitelkeit
  • Schönheit
  • Irritation
  • Blendung

T

Taschenuhr:

  • Vanitas*
  • hochgeschätzte Qualität des rechten Maßes

Trauben:

  • Hinweis auf Christus (wie die Traube für den Wein, so mußte Christus seinen Leib für die Versöhnung hingeben)

Totenkopf:

  • Meditationsgegenstand
  • halb Mensch – halb Ding
  • Zeichen für die Todesverfallenheit alles Irdischen
  • Vanitas*

U

Umgekehrte oder umgestülpte Dinge (Instrumente,Gefäße usw):

  • Tod
  • Entleertes Leben
  • Vanitas*

V

Verlöschte Lichter ( Kerzen, Öllampen usw.):

  • Das verfließen der Zeit
  • Hinweis auf die unausweichliche ewige Dunkelhei im Tod

Vögel:

  • Sinnbilder der Seele und der Auferstehung
  • die “Luft” bei den vier Elementen

W

Waffen, Rüstungen, Harnisch:

  • Ruhmesmotiv
  • Symbol für Tapferkeit und Kühnheit

Weiße Lilie:

  • Hinweis auf die Mutter Gottes Maria
  • Reinheit
  • Keuchheit
  • Unschuld
  • Die reine Seele
  • Vertrauen in Gott

Würfel, Kartenspiel usw.:

  • Spielleidenschaft
  • Müßiggang
  • Laster
  • unnützer Zeitvertreib

Z

Zerbrochene Gefäße:

  • Die Eitelkeit alles Irdischen
  • Vanitas*
  • Memento Mori ( Gedenke des Todes)

Zitrone:

  • Sinnbild für das äßerliche Schöne, dessen Inneres sauer ist
  • weist auf die Fragwürdigkeit des Genusses hin (zwar süß zu genießen, mündet aber in ein bitteres Ende)

Zuckerwerk, Gebäck, Austern, Kostbare Gewürze:

  • Hingabe an die Begierden
  • Zeichen der Lüsternheit
  • Häufig antithetisch zu Fastenspeisen
  • Mahnung zur Bescheidenheit

 

 

*Vanitas = Nichtigkeit, Eitelkeit, Lüge, Wertlos, Vergänglich

Ihr habt noch weitere Bedeutungen oder andere Informationen? Dann hinterlasst sie in den Kommentaren ( Am besten mit Quellenangabe :D ) und ich werde die Liste editieren.

 

3 comments

  1. Pingback:Das Gesicht des Todes in der Malerei | Kimko bloggt

  2. Affe steht für Eitelkeit, Lüsternheit und den gefallenen Engel. Affe der in eine Frucht beißt zeigt den Sündenfall an.

    Auster symbolisiert die Versuchung, da es als “vaginales Zeichen” gilt.

    Birne weißt weibliche Formen auf, steht für Fruchtbarkeit, aber auch sexuelle Unsittlichkeit und Begirde.

    Das Eichhörnchen ist das Sinnbild des Teufels.

    Erdbeere als Sinnbild der Dreieinigkeit (wegen drei Blättern) sowie Demut und Bescheidenheit (wegen niedrigem Wuchs). Rote Farbe erinnert an das Blut Christi.

    Feige als Symbol für Überfluss und Fruchtbarkeit.

    Geflügel wird mit sexueller Lust und Verlockung verglichen.

    Faules Obst oder Gemüse steht für Vergänglichkeit des irdischen Lebens.

    Fleisch steht für Fleischeslust, aber auch für überflüssigen Besitz und Völlerei.

    Kürbis verweist wegen seiner vielen Kerne auf die Ausbreitung des Christentums.

    Pflaume symbolisiert das weibliche Geschlecht und die sexuelle Begirde.

    Spinne steht für die allgegenwärtige Bedrohung des Lebens.

    Ölzweig als Zeichen der Versöhnung des Menschens mit Gott.

    Quelle: http://www.literaturbaum.de/Symbole.doc

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